Planungskatastrophen wie beim Flughafen BER können zukünftig verhindert werden. Building Information Modeling (BIM) revolutioniert derzeit die Planungsprozesse im Bauwesen.

Rolltreppen, die um einige Stufen zu kurz geraten sind; Rohrstücke, die nicht ineinander passen; vergessene Kabelschächte; Treppengeländer, die im Nichts enden; eine fehlende Datenverbindung zur Feuerwehr – dies ist nur eine kleine Auswahl der Planungsmängel am „Flughafen Berlin Brandenburg“ (BER). 2006 begann der Bau des Hauptstadt- Flughafens mit dem überaus optimistischen Ziel,im darauffolgenden Jahr zu eröffnen. Zehn Jahre und ein halbes Dutzend verschobener Fertigstellungstermine später kann von einer baldigen Eröffnung immer noch nicht die Rede sein. Neben politischen und personellen Fehlentscheidungen sowie Korruption sind Planungsfehler die Hauptursache für dieses Desaster. Mit BIM wäre das nicht passiert …

Flughafen BER

… zumindest nicht in diesem Ausmaß. Denn beim Building Information Modeling wird ein Bauwerk zunächst als virtuelles, dreidimensionales Gebäude erstellt und mit allen relevanten Ausstattungsmerkmalen versehen. Alle integrierten Elemente können zum Beispiel für Kollisionskontrollen, Simulationen und Berechnungen zueinander in Abhängigkeit gebracht werden. Aus diesem zentralen, gewerkeübergreifenden Modell werden alle technischen Zeichnungen widerspruchsfrei abgeleitet. Für den Flughafen BER wäre dies ein Segen gewesen. Doch leider ist Deutschland erst recht spät auf den BIM Zug aufgesprungen und muss nun zusehen, denn Anschluss nicht zu verpassen. In den USA, in den nordischen Ländern und Großbritannien ist die BIM-gestützte Planung erheblich weiter fortgeschritten. In der amerikanischen Bauindustrie ist BIM schon seit Mitte der 2000er- Jahre weit verbreitet. Finnland und Norwegen haben 2007 beziehungsweise 2010 die Nutzung von BIM bei öffentlichen Bau-Projekten für verpflichtend erklärt. Und auch im Vereinigten Königreich soll BIM noch dieses Jahr verbindlich für öffentliche Bauvorhaben vorgeschrieben werden. Doch Deutschland zieht jetzt nach: Alexander Dobrindt, deutscher Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur, hat am 15. Dezember 2015 die Pläne der Bundesregierung hinsichtlich des Themas „Digitales Planen, Bauen und Betreiben“ vorgestellt. Demnach soll, nach der aktuell laufenden Pilotphase, BIM 2020 zum Standard werden. Gut so! Denn an BIM führt kein Weg vorbei: Die Digitalisierung von Planungs-Prozessen bringt auch der Bauindustrie große Vorteile, nämlich größere Fehlersicherheit und termingerechte Projektabläufe und damit eine höhere Kostensicherheit. Wobei BIM nicht nur die Planungsphase effizienter macht, sondern ein Gebäude während seines gesamten Lebenszyklus begleiten kann. Das BIM-Datenmodell ist im Gebäudebetrieb quasi das „Bordbuch“, das alle verbauten Teile, deren Hersteller und die entsprechenden Wartungsintervalle enthält. Die Informationstiefe und zentrale Verfügbarkeit eines gut gepflegten Building Information Models bringt zwar einen Mehraufwand in der vorbereitenden Planung mit sich – schließlich gilt es, Datenpakete verschiedenster Fachdisziplinen zu vereinigen – aber die BIM-Planungsmethode spart am Ende Zeit und Geld. Denn je weiter die Bauausführung fortgeschritten ist, desto kostenintensiver und aufwendiger sind fehlerbedingte Änderungen – siehe BER. Die Frage nach der flächendeckenden Einführung von BIM in Deutschland und Europa ist also keine nach dem Ob, sondern nach dem Wann. Kampmann stellt schon heute eine Vielzahl an BIM Daten für die Planer kostenlos zur Verfügung und baut das Angebot stetig weiter aus. Für die Bereitstellung nutzt Kampmann MagiCloud, die Plattform des finnischen Unternehmens Progman Oy, bekannt für seine Software MagiCAD, der marktführenden TGA-Planungssoftware.

Bild: Flughafen BER © Denis Apel – CC BY-SA 3.0