Weltstädte gibt es einige – doch nur wenige haben neben herausragender wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung einen einzigartigen Charakter, ein Image; ein Gefühl, das man mit der Stadt verbindet, selbst wenn man niemals dort gewesen ist. Paris ist so eine Stadt, New York sicherlich, Berlin, zu Zeiten der Mauer vielleicht noch mehr als heute – und auf jeden Fall London, die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs.

London hat in allen Bereichen Überragendes zu bieten: Es ist mit über acht Millionen Einwohnern (Greater London) die bevölkerungsreichste Stadt der Europäischen Union. Die Metropole ist eines der wichtigsten Finanz- und Handelszentren der Welt, sie beheimatet unzählige Museen, Theater und sonstige Kultureinrichtungen und ist ein wahres Sport-Mekka. Was wir jedoch spontan mit London assoziieren ist meist Folgendes: rote Doppeldeckerbusse und Telefonzellen, die Tower Bridge, St. Pauls Cathedral, Madame Tussauds, Westminster Abbey mit Big Ben, die Themse, die „Tube“, regungslos dastehende Wachmänner mit turmhohen Bärenfellmützen – ein Postkarten-London, klischeebeladen zwar, aber existent. Und das ist auch gut so.

Dennoch wollen wir uns der Weltstadt einmal anders nähern. Und zwar sowohl thematisch als auch geografisch. Statt also sehr zentral, beispielsweise beim London Eye, zu beginnen, verlegen wir unseren Startpunkt etwa 30 Kilometer nach Westen, um dort ein kleines Boot zu besteigen. Langsam werden wir die Themse hinuntertreiben, vorbei an einigen bekannten und vielen eher unbekannten, aber urenglischen Orten. Nehmen Sie Platz! Haben Sie Ihre Regenjacke dabei? In dieser Gegend regnet es viel …

Abgelegen: Eton

Außenansicht des  Elite-Colleges Eton

Wo könnte man eine Bootsreise nach London besser beginnen als in Eton? Hier ist die Themse noch ein recht schmaler Fluss, der durch die typisch englische, grüne Parklandschaft mäandert. Zudem befindet sich hier der Dorney Lake, ein künstlich geschaffener See von 2000 Meter Länge bei nur 200 Meter Breite. Das Gewässer wurde vom benachbarten Elite-College Eton in Eigenregie erbaut, um seinen Schülern beste Bedingungen für den Traditionssport Rudern zu ermöglichen. Umgerechnet 21 Millionen Euro hat das College hierfür selbst aufgebracht. Bei Schulgebühren von etwa 40.000 Euro pro Schüler und Jahr weiß man erstens, woher das Geld kommt und zweitens, was es mit dem Präfix „Elite“ auf sich hat. Immerhin: Gleich 19 Premierminister, darunter David Cameron, hat die Schule hervorgebracht. Erfolgreiche Schulabgänger nennen sich „Old Etonians“ und identifizieren sich mittels einer schwarz-türkis-gestreiften Krawatte. Auch die Prinzen Harry und William dürften als Eton-Schüler dieses Kleidungsstück im Schrank hängen haben. (Bild: Eton College by BasPhoto/fotolia)

Ein deutsches Königshaus: Windsor

Blick über die Themse auf das Windsor Castle

Die beiden Söhne von Prinzessin Diana hatten keinen weiten Schulweg: Windsor Castle liegt gleich auf der anderen Seite der Themse und ist über eine Fußgängerbrücke innerhalb von zehn Minuten zu erreichen. Ob die beiden potenziellen Thronfolger auch im, ebenfalls in Windsor gelegenen Legoland waren, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Ganz sicher aber haben die beiden deutsche Vorfahren; schließlich ist das britische Königshaus deutschen Ursprungs. Bis 1917 hieß das Haus Windsor noch „Haus Sachsen-Coburg und Gotha“. Während des Ersten Weltkrieges herrschte in England jedoch eine antideutsche Stimmung, und als dann auch noch deutsche Kampfbomber – ausgerechnet vom Typ Gotha G.IV – London bombardierten, beschloss der amtierende König Georg V., seinen deutschen Nachnamen abzulegen und gründete das Haus Windsor. (Bild: Themse mit Windsor Castle by Chris Lofty/fotolia)

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Ein Fährmann im Themse-Tal

Wir lassen die Royals hinter uns und treiben gemächlich durch das Themse-Tal, oder wie die Region hier informell genannt wird – Thames Valley; auf Englisch wirkt das immer klangvoller … Auch sehr klangvoll ist die M25, die wir kurz vor Staines-upon-Thames unterqueren, und zwar durch den Verkehrslärm. Der M25 motorway beschreibt einen gigantischen Kreis um London herum und ist mit 188 Kilometern die zweitlängste Ringstraße Europas – übrigens nach dem Berliner Ring. Der Abschnitt, den wir gerade passieren, gehört zu den am stärksten befahrenen; entsprechend ist die Autobahn hier zehnspurig ausgebaut. Grund für das hohe Verkehrsaufkommen ist der Flughafen Heathrow, der direkt in der Nähe liegt. (Bild: Themse bei Oxford)

"Themse vs. Ems

Wer sich die Themse bildlich vor Augen führt, hat meist einen enorm breiten Fluss vor Augen, die Houses of Parliament im Hintergrund. Dieses Bild gaukelt eine Größe vor, die nicht existiert. Im Vergleich zur Ems ist die Themse mit 346 Kilometern 25 Kilometer kürzer und transportiert aufgrund der langsamen Fließgeschwindigkeit nur etwa die Hälfte der Wassermenge. Gemeinsam haben die Flüsse die gleiche indogermanische Namensherkunft „Tamesis“ (dunkler Fluss) sowie die Tatsache, dass an beiden Flüssen Kampmann zu finden ist, nämlich in Lingen und London."

Rollercoaster

Achterbahn im Thorpe Park

Führte uns die Themse bisher durch eine liebliche Landschaft, so markiert das Erreichen der mittelgroßen Stadt Staines-upon-Thames die Einfahrt in urbanere Regionen. Auch wenn die Stadt noch nicht zum Verwaltungsgebiet Greater London gehört; von hier an wirkt die Metropole wie ein Magnet, auf den sich alles ausrichtet. Es sind noch 30 Straßen-Kilometer bis zum Stadtzentrum. Der Thorpe Park, ein großer Freizeitpark südlich von Staines, ist entsprechend abhängig von Besuchern aus London. Der Park beherbergt ganze sieben Achterbahnen, darunter „Collossus“ (nicht zu verwechseln mit „Collossos“ im Heide-Park Soltau), eine Bahn mit zehn Überschlägen, was einige Jahre lang Weltrekord war. Auch eine Wildwasserbahn ist vorhanden, doch wir genießen lieber weiterhin das sachte Gurgeln der Themse unter uns, die uns nun an einem filmhistorisch bedeutsamen Ort vorbeiführt. (Bild: Collossus Achterbahn im Thorpe Park)

Londonwood

Shepperton-Studios von außen

Auch wenn London gespickt ist mit Kinos – von kleinen Programmkinos bis zu Europas größtem IMAX-Kino – so ist London doch nicht als Filmstadt bekannt. Tatsächlich entstanden vor Londons Türen, namentlich in den Shepperton-Studios, Filmklassiker wie Alien (1979), Gandhi (1982) und The Crying Game (1992). Alien-Regisseur Ridley Scott übernahm 1995 zusammen mit seinem Bruder Tony („Top Gun“, „True Romance“) die angeschlagenen Shepperton-Studios, um der britischen Filmwirtschaft neue Impulse zu verleihen. So werden auch heute noch Filme im kleinen Örtchen Shepperton an der Themse gedreht. (Bild: Shepperton Studios by A. Williams CC-BY-SA 3.0)

Unlimitierte Leistung

Der Schriftzug des Kampmann Logos

Kein großes Kino, dafür aber großes Klima, schafft die Kampmann UK Ltd., die ebenfalls in Shepperton ihren Sitz hat. Zwar wurde die „Limited“ erst am 1. Januar 2013 gegründet – Kampmann ist jedoch bereits seit 1983 im Vereinigten Königreich aktiv. Mit der Ausgründung kann das Shepperton-Team nun schneller am Markt agieren und ist so näher am Kunden – nicht nur auf den britischen Inseln, sondern auch in den USA, in Kanada, Australien und Neuseeland. Neun Mitarbeiter unterhalten seit Jahren wichtige Kontakte zu den Londoner Büros von Global Playern wie Norman Foster, Happold oder Arup und sind im Vertrieb bis Schottland und Irland unterwegs. Geleitet wird Kampmann UK Ltd. von Seb Cairns und Thorsten Niehoff in enger partnerschaftlicher Arbeitsteilung: Während Cairns die kaufmännische Leitung innehat, ist Niehoff für die Technik zuständig.

Die Spukgalerie im Hampton Court Palace

Außenansicht des Hampton Court Palace

Unsere Flussreise geht weiter. Ein leichter Regen hat eingesetzt – was heißt Regen? Es ist eher so, dass die Luft nass ist. Feine Tropfen. Mehr Nebel als Regen. Aber furchtbar nass. Typisch englisch. So englisch wie der Hampton Court Palace, der, umgeben von weitläufigen Parks und eingehüllt in Schwaden aus Nieselnebel, mittelalterliche Zeiten heraufbeschwört. Zeiten, in denen Heinrich VIII. durch dieses gewaltige Schloss wandelte. Der damalige König von England war nicht nur politisch sehr umtriebig und hat sich unter anderem von der Kirche losgesagt – was die protestantische Reformation in England auslöste – er war auch sechsmal verheiratet. Seine fünfte Ehefrau Catherine Howard wurde des Ehebruchs bezichtigt. Heinrich ließ sie verhaften; im Tower of London sollte sie enthauptet werden. Sie entriss sich ihren Bewachern und stürzte durch einen Korridor zu Heinrich, um Gnade zu erflehen. Der König blieb ungerührt und Catherine wurde schreiend abgeführt. Seither wird der Korridor, der heute Spukgalerie genannt wird, von ihrem Geist heimgesucht. Fragt sich, ob die gute Catherine nach getanem Spuk einen Tee mit den beiden anderen Geistern zu sich nimmt, die ebenfalls im Hampton Court Palace ihr Unwesen treiben. Der Geisterglaube ist in England noch heute weit verbreitet. (Bild: Hampton Court Palace by A. Balaraman/fotolia)

"Surrey vs. Middlesex

Die offizielle Adresse von Kampmann UK Ltd. lautet Govett Avenue, Shepperton, Middlesex. Das ist insofern interessant, als dass Middlesex als Verwaltungseinheit nicht mehr existiert. Und das bereits seit 1888. Shepperton gehört seither zur Grafschaft Surrey. Doch die traditionsbewussten Engländer benutzen die alten Namen der Grafschaften noch heute, als wäre nie etwas gewesen."

Gents only

Rugby-Held Jonny Wilkinson

Ebenso weit verbreitet ist die Liebe zum Rugby – eine Sportart, die in Deutschland wenig verbreitet ist und auch von den hiesigen Medien kaum berücksichtigt wird, was schade ist. In England sagt man: „Fußball ist eine von Raufbolden gespielte Gentleman-Sportart und Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart.“ Eine Aussage, die jeder bestätigen kann, der bereits ein Rugby-Match gesehen hat. Die Rugby-Weltmeisterschaft, die alle vier Jahre stattfindet, gehört zu den größten Sport-Events der Welt. In mehr als 200 Länder werden die Spiele übertragen. Englands größter Rugby-Held ist Jonny Wilkinson, der sein Team im Jahr 2003 quasi im Alleingang zum ersten und bislang einzigen WM-Triumph führte. Wilkinson wird in England als großer Sportsmann verehrt und wurde 2004 zum Order of the British Empire ernannt. Er stammt aus der Grafschaft Surrey, in der auch Shepperton liegt, und hat es deshalb nicht weit gehabt, ins Herz des internationalen Rugby-Sports, in das Twickenham-Stadium. Die Stadt Twickenham, die bereits zu Greater London gehört und die wir gerade passieren, hat etwa 52.000 Einwohner. Sie alle könnten sich im Twickenham-Stadium locker zusammenfinden, denn mit 82.000 Plätzen ist das Stadion das zweitgrößte im Königreich nach Wembley. Es ist das „House of Rugby“ und wird in 2015 wieder Schauplatz des Finales sein, wenn die Weltmeisterschaft erneut in England stattfindet. (Bild: Jonny Wilkinson by Léna CC-BY-SA 3.0)

Jagger trifft Hirsch

 Fluss-Promenade in Richmond mit vielen Menschen und Booten

Sehr passend: Die Wolkendecke reißt auf und wärmende Sonnenstrahlen blitzen hindurch. Perfekt für einen Zwischenstopp in Richmond-upon-Thames. Noch immer ist die Themse hier ein sich windendes Flüsschen, das von der veritablen Breite, die es in der City of London erreicht, weit entfernt ist. Richmond ist ein echtes Juwel. Ein schmuckes Städtchen mit kleinen Gässchen, noblen Villen und viel gelassener Beschaulichkeit. Kein Wunder, dass viele Londoner am Wochenende hierherkommen, um entspannt zu flanieren. Gerne auch per Boot übrigens, denn am Steg an Richmonds edler Fluss-Promenade kann man mit Ausflugsschiff und privatem Boot anlegen.Wo es so nett ist und so nahe der Londoner City, da ist es auch teuer. Mick Jagger, Daniel Craig, Keira Knightley …, sie alle haben hier ein Domizil. Gleich hinter Richmond-upon-Thames befindet sich der Richmond Park. Mit mehr als 10 km² Fläche ist er der größte aller Londoner Parks. Platz genug für die 630 Hirsche, die hier durch Wiesen und Wälder streifen, und für die Royal Ballet School, die mitten im Park im historischen „White Lodge“ Weltklasse-Tänzer ausbildet. (Bild: Richmond Riverside by David Iliff CC-BY-SA 3.0)

Palmen an der Themse

Royal Botanic Gardens am Tag mit Rasen und vielen Blumen

Doch nun wieder rein ins Boot! Wir nähern uns unserem Ziel! Nur noch zwei, drei Flusswindungen und wir erreichen endgültig reines Stadtgebiet. Vorher treiben wir noch an den Kew Gardens vorbei, die sich zu unserer Rechten ausbreiten. Die Royal Botanic Gardens zählen zu den ältesten botanischen Gärten der Welt und gehören sicher zu den eindrucksvollsten. Herausragend sind die beiden viktorianischen Gewächshäuser „Temperate House“ und „Palm House“, in denen Pflanzen aus aller Welt gedeihen; unter anderem eine 16 Meter hohe Honigpalme. Nicht minder überragend ist die chinesische Pagode, die bereits 1762 erbaut wurde und 50 Meter Höhe erreicht. Die gesamte Anlage ist seit 2003 UNESCO Weltkulturerbe. (Bild: Palm House by David Iliff CC-BY-SA 3.0)

Anlegen: Wo Schweine fliegen

Battersea Station

Während die Themse an Breite zunimmt und immer mehr – auch größere Schiffe – den Fluss befahren, wird auch die Bebauung immer dichter. Einfamilienhäuser, Parks und Auen weichen mehrstöckigen Wohnburgen und Industriegebieten. Ab hier ist London als Großstadt erkennbar. Ein weltberühmtes Industriedenkmal markiert unseren Ausstiegspunkt: Die Battersea Power Station. Das ehemalige Kraftwerk, eines der größten Ziegelgebäude Europas, ist für sich genommen schon ein bemerkenswerter Koloss. Mit dem schwebenden Schwein zwischen den markanten Schornsteinen auf Pink Floyds Album „Animals“ wurde die Battersea Station dann zur Ikone. (Bild: Battersea Powerstation by G. Lee CC-BY-SA 3.0)

"London vs. London

London an der Themse. Das gibt’s nur zweimal! Zweimal? Ja; im südlichsten Zipfel Kanadas, umgeben von den Großen Seen, liegt London (Ontario) und wird von der Themse durchquert. Das ist natürlich kein Zufall: 1793 wurden Ort und Fluss vom damaligen kanadischen Vize-Gouverneur John Graves Simcoe nach den englischen Vorbildern benannt. Ähnlich erklärt sich auch, warum London (Ontario) in der Grafschaft Middlesex liegt."

Kunst und Klima

Serpentine Sackler Gallery mit einem geschwungenen, weißen Dach und einer gewaltige Fensterfront

Wir verlassen also unser Boot und gehen nur 2,5 Kilometer zu Fuß weiter in Richtung Norden. Zu unserer Linken liegt das riesige, exklusive Warenhaus Harrods; wer also noch ein Andenken braucht … Ansonsten gehen wir noch ein paar Meter weiter, betreten den Hyde-Park und die angrenzenden Kensington Gardens. Getrennt werden die beiden Grünanlagen durch den Serpentine Lake, einen 11 Hektar großen, länglichen See, an dessen Ufern sich die Serpentine Galleries befinden. Seit 1970 dient ein altes Teehaus am Südufer als Ausstellungsraum. Bedeutende Künstler wie Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Damien Hirst und Jeff Koons stellten hier bereits ihre Werke aus. Direkt gegenüber, durch eine Brücke verbunden, auf der anderen Seite des Sees, wurde 2013 die Serpentine Sackler Gallery eröffnet; ein altes Pulvermagazin, das von der renommierten Architektin Zaha Hadid um einen futuristischen, zeltartigen Neubau erweitert wurde. Das geschwungene, weiße Dach und die gewaltige Fensterfront bilden in ihrer Transparenz und Dynamik einen deutlichen Kontrast zum kantigen Klassizismus des historischen Magazins. Ein Projekt, wie geschaffen für den Einsatz von Kampmanns Katherm Bodenkanalheizungen. Dezent sind sie hinter den bodentiefen Fenstern eingelassen und nehmen als Spezialanfertigung exakt die Rundung der Front auf. Auch Klimatisierung kann eine Kunst sein. (Bild: The Magazine by Serpentine Gallery)
Damit sind wir an das Ende unserer Reise angekommen. Wir befinden uns im Zentrum von London. Von hier aus können Sie spielend eine Vielzahl weitere Sehenswürdigkeiten besuchen. Wir hoffen, dass Ihnen die Flussreise nach London eine neue Sicht auf diese spannende Weltstadt eröffnet hat. Machen Sie es gut!

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