Als Kampmann im November 2012 mit seinem Schulungsprogramm Kampus startete, betrat man in vielerlei Hinsicht Neuland – sowohl unternehmensintern als auch branchenübergreifend.

Ein HKL-spezifisches Fach-Seminar in der Umkleidekabine des Fußball-Bundesligisten Mainz 05? Ob dieses Neuland sumpfig war oder ob man schnell festen Boden unter den Füßen spürte, fragten wir den Kampus-Leiter Ingo Lübken.

Der Kampus geht bereits in sein viertes Jahr. Sie sind seit Anfang an Leiter von Kampmanns Fortbildungsprogramm. Wie hat sich der Kampus seither entwickelt?

Durchweg positiv! Man muss dazu sagen, dass wir nicht erst seit vier Jahren Schulungen und Seminare anbieten – nur waren das vorher rein produktbezogene Veranstaltungen, die wir nicht öffentlich anboten. Den Kampus haben wir dann vor vier Jahren mit einem zunächst recht kleinen Programm gestartet. Doch die Rückmeldungen waren so positiv, dass wir das Angebot schnell ausbauten. So haben wir heute mehr Schulungen und Veranstaltungsorte, ein breiteres Themenspektrum und mehr Referenten. Entspricht die Resonanz Ihren Erwartungen? Mehr als das. Wir sind klein angefangen, um zu sehen, wie die Kunden auf unser Angebot reagieren. Es gibt in unserer Branche ja nichts Vergleichbares – sicher gibt es Produktschulungen vieler Hersteller. Aber das Konzept des Kampus war neu und wir wussten nicht, wie es angenommen wird. Erfreulicherweise herrscht großer Bedarf. Unsere Teilnehmer reisen teils von weit her an.

"Das anregende Umfeld erleichtert die Aufnahme der Lerninhalte."

Seit Anbeginn finden einige Seminare auch an besonderen Veranstaltungsorten statt, so zum Beispiel in einem Bundesliga-Stadion oder einem kleinen Theater. Ist das ein Konzept, das Sie weiterverfolgen werden?

Unbedingt! Wir haben den Kampus ja mit der Stadion-Tour gestartet, bei der wir 13 Bundesliga-Stadien besuchten, um dort Seminare abzuhalten. So in Mainz, wo das Seminar in der Umkleidekabine der Erstliga-Profis stattfand. Ebenfalls spannend sind die Seminare, die wir in Flughäfen veranstalten. So waren wir schon mehrfach im berühmt-berüchtigten Hauptstadt-Flughafen BER, was immer auch ein befremdliches Erlebnis ist. Dieses Jahr sind wir dann im Flughafen Hannover, wo wir auch die Gelegenheit bekommen, uns die Technik-Räume anzusehen. Die sind alleine wegen ihrer Dimension schon interessant für die Seminar-Teilnehmer.

Seminare an so speziellen Veranstaltungsorten sind sicherlich in Windeseile ausgebucht, oder?

Das stimmt bedingt – denn tatsächlich gibt es da manchmal seltsame Vorbehalte. Wenn sich ein Mitarbeiter für ein solches Seminar interessiert und geht damit zu seinem Chef, dann kann es schon mal sein, dass der das als netten Ausflug abtut. Das Gegenteil ist aber der Fall: Das anregende Umfeld und die Praxisnähe wirken sich positiv aus und erleichtern die Aufnahme der Lerninhalte.

Was war das Außergewöhnlichste, was sich bei solchen Seminaren zugetragen hat?

Im Hamburger Stadion haben wir mal eine Polizei-Übung miterlebt. Dort sollte ein „Randalierer“ aus der Menge entfernt werden. Das lief dann mit großem Komparsen-Aufwand und ganz authentisch mit Böllern und Geschrei. Fast noch interessanter war es bei einem Seminar im Kölner Stadion. Hier konnten wir beobachten, wie während unser Anwesenheit der komplette Rasen neu gelegt wurde: von blanker Erde am Vormittag bis zum satten Grün bei Seminar-Ende.

Die Seminare finden aber auch an herkömmlichen Orten statt. Welche Argumente zählen dann für den Kampus?

Seminar im Stadion

SEMINAR IM STADION „Das anregende Umfeld erleichtert die Aufnahme der Lerninhalte.“

Die gleichen wie bei den Seminaren in Flughafen oder Stadion: Bei uns gibt es Experten-Wissen aus Hersteller-Hand. Zudem schulen wir nicht produkt- oder markenbezogen, sondern themenbezogen. Wir geben Grundlagen-Seminare aus dem HKL-Bereich, schulen über die Hygienerichtlinie nach VDI 6022, über Änderungen bei Normen, Energieeffizienz, Gebäudeautomatisierung, Kühlsysteme . . . aber auch über Projektmanagement und Mitarbeiter-Motivation – ein breites Spektrum also, das den Teilnehmern echte Unterstützung für das Alltagsgeschäft bringt. Viele dieser Seminare sind von den Architekten- und Ingenieurkammern sowie der DENA anerkannt. Man kann also auch Fortbildungspunkte bei uns erwerben. Ein weiteres wichtiges Argument ist, dass wir oft auch projektbezogen schulen.

Was heißt das konkret?

Ein Beispiel: Wir waren in der ADAC-Hauptzentrale in München – ein beeindruckender Bau. Viel wichtiger aber: Die Seminar-Teilnehmer erfahren alles über die dort eingesetzte TGA – welche Geräte wurden wie verbaut und wie wird das alles gesteuert? Das zu sehen und anfassen zu können, das bringt einen erheblich höheren Lernerfolg, als wenn man das TGA-Konzept nur auf Powerpoint-Folien sehen würde. Zumal das technische Personal der ADAC-Zentrale Rede und Antwort steht. Näher kann man an solchen Projekten nicht dran sein. Ähnlich haben wir es bei der Zentrale der LVM-Versicherungen in Münster gemacht, die in ihrem neuen Verwaltungshochhaus ein sehr innovatives, extrem energieeffizientes Klimatisierungskonzept umgesetzt haben. Auch hier konnten die Seminar-Teilnehmer das gesamte Gebäude samt Technik in Augenschein nehmen. Selbst in der Elbphilharmonie waren wir schon und ließen uns dort vom General-Unternehmer Hochtief das Gesamtgebäude-Konzept erklären. Hochspannend!

Sie sind nicht nur Leiter des Kampus, sondern auch als Referent unterwegs. Welchen Teil mögen Sie lieber: das Organisieren oder das Referieren?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin Diplom-Ingenieur und interessiere mich von Natur aus sehr für die Technik, also für alles, worüber wir auch referieren. Und meine Tätigkeit als Referent fordert von mir, mich immer weiter und intensiver mit technischen Dingen auseinanderzusetzen. Also: Referieren tue ich schon sehr gerne. Gleichzeitig bietet mir die Leitung des Kampus eine große gestalterische Freiheit. So ein Seminar-Konzept quasi von null an aufzubauen, war und ist eine erfüllende Aufgabe.

Sie sind entsprechend viel unterwegs. Wie viele Tage im Jahr sind Sie „on the road“?

Das nimmt sicherlich die Hälfte meiner gesamten Arbeitszeit in Anspruch. Aber man sieht viel, lernt spannende Leute kennen – ich möchte es nicht missen.

Neben den feststehenden Fachseminaren bieten Sie auch individuelle Schulungen an. An wen richtet sich dieses Angebot?

Des Öfteren haben Interessenten einen speziellen Schulungsbedarf, der nicht von einem unserer normalen Seminare abgedeckt wird. Oder es passt zeitlich nicht. Manchmal soll auch das gesamte Team eines Unternehmens geschult werden. Mit unseren individuellen Schulungen passen wir uns den Bedürfnissen unserer Kunden exakt an – sowohl thematisch als auch zeitlich und räumlich. Sprich: Wir geben auch Inhouse-Seminare. Der Bereich der individuellen Schulungen ist auch der Kampus-Bereich, der zurzeit am stärksten wächst.

Sind die Kampus-Referenten alle Kampmann-Mitarbeiter?

Viele. Aber nicht alle. Für besondere Themen lassen wir uns von externen Referenten unterstützen. So haben wir ein Seminar zum Thema Gewährleistung und Garantie in der Haustechnik im Programm – ein juristisches Thema also. Dieses Seminar leitet ein spezialisierter Rechtsanwalt. Ebenfalls zur Schulung in der neuen Kühllastberechnungsnorm VDI 2078 und in andere Themen haben wir externe Spezialisten. Aber größtenteils sind die Referenten Kampmann-Mitarbeiter. Und das soll auch so sein, schließlich können wir so großes Wissen anzapfen und weitervermitteln.

Ihre Mitarbeiter sind naturgemäß ausgesprochene Klimatisierungs-Profis. Was aber nicht heißt, dass sie gleichzeitig gute Referenten sind. Wie werden die Referenten auf ihre Tätigkeit vorbereitet?

Zugspitze in Deutschland

DIE ZUGSPITZE. Ein Seminarstandort? Wer weiß …

Wir sind im Moment dabei neue Referenten zu aktivieren, denn wir wollen unser Themenspektrum noch weiter ausbauen. Ganz wichtig ist zunächst, dass der Referent sich einbringen kann, um das Thema mit voller Überzeugung zu lehren. Und dann wird er im Vorfeld natürlich seinerseits von uns geschult, beispielsweise in Sachen Rhetorik, Umgang mit der Tagungstechnik und so weiter. Der große Mehrwert für die Seminar-Teilnehmer ist aber nicht, dass der Referent ein toller Entertainer ist, sondern dass er direkt aus der Praxis kommt und vollkommen authentisch aus dem Tagesgeschäft berichten kann.

Gibt es einen Themenbereich den Sie ausbauen oder gar neu etablieren wollen?

Wir arbeiten ständig an neuen Seminaren und orientieren uns da auch ganz an den aktuellen Bedürfnissen, zum Beispiel wenn es neue oder angepasste Normen oder Gesetze gibt, wie die Ökodesign-Richtlinie oder die Hygienerichtlinie VDI 6022. Wir schauen aber auch auf andere Zielgruppen. So entwickeln wir gerade ein Seminar, das fundamentale Grundlagen der Klimatechnik speziell für Kaufleute vermittelt, damit diese in ihrem kaufmännischen Alltag mit den Fachbegriffen umzugehen wissen.

Unabhängig von Geld und Machbarkeit: An welchem Veranstaltungsort würden Sie gerne mal ein Seminar veranstalten?

Ich bin ein passionierter Ski-Fahrer – soweit man das als Norddeutscher überhaupt von sich behaupten kann – und als solcher fände ich ein Seminar auf der Zugspitze mal ganz großartig. Mit grandiosem Blick über das Alpenpanorama während der Schulung und einer anschließenden Abfahrt. So unmachbar ist das nicht mal – wer weiß, wo wir mit dem Kampus noch überall landen …

Bildnachweis: Zugspitze © Kauk0r – CC BY-SA 3.0