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Hotelzimmer richtig klimatisieren

Das Klima im Hotelzimmer gibt immer wieder Anlass für Beschwerden des Gastes – ein vermeidbarer Umstand.

Hotelbetreiber investieren viel Geld, um dem Gast einen komfortablen Aufenthalt zu gewähren. Zufriedene Gäste besuchen das Hotel bei Bedarf wieder, geben positive Bewertungen bei den einschlägigen Portalen ab und werden so zu wichtigen Multiplikatoren. Die gängige Sterne-Klassifizierung nach HOTREC gibt Kriterien zur Bewertung des Komforts vor. So lässt sich schon bei der Planung auf beispielsweise ein Vier-Sterne-Hotel „hinbauen“. Und doch ist die Erfüllung selbst des Fünf-Sterne-Standards kein Garant für zufriedene Gäste. Denn ein extrem wichtiger Faktor für das Wohlbefinden des Gastes ist das Klima. Und eine Klimatisierung ist – obwohl ab einem gewissen Niveau gängige Praxis – laut Deutscher Hotelklassifizierung nicht mal Pflicht.

Doch was hilft eine Klimatisierung des Zimmers, wenn sie, zum Beispiel durch unzureichende Auswahl, nicht in der Lage ist, die benötigte Kühlleistung zu erbringen? Oder dies nur mit hohen Drehzahlen und einer entsprechenden Geräuschkulisse schafft? Unbedingt sinnvoll ist zudem eine kontrollierte Lüftung, die in erheblichem Maße Energie spart und auch für ein Komfort-Plus sorgt. Die richtige Wahl des Systems, der Steuerung und der Dimensionierung unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben verspricht ein dauerhaft großes Energie-Einsparpotenzial sowie Gäste, die nicht, wie sonst so oft, über die Zimmertemperaturen klagen. Eine für Gast, Betreiber und Gesetzgeber zufriedenstellende Systemlösung zu planen und zu installieren bedarf einer eingehenden Betrachtung der Zimmer. Dabei ist nicht nur das Raum-Volumen entscheidend, sondern auch die Belegungsanzahl, die Position und Größe des Bades und selbst die verwendeten Baustoffe. Doch eins nach dem anderen …

Viele Gesetze, Normen und Richtlinien sind zu beachten

Für die Auslegung ist ein ganzer Wust an Gesetzen, Normen und Richtlinien zu beachten. Die Normen DIN EN 15251, 13779 und 12792 regeln die Raumluftqualität. Die VDI-Richtlinie 6022 definiert die Hygieneanforderungen Raumlufttechnischer Geräte und Anlagen. Und die DIN EN ISO 7730 bestimmt als „Behaglichkeits-Norm“ die „Ergonomie der thermischen Umgebung“. Hinzu kommt noch die DIN 18017, welche die Entlüftung von innenliegenden Räumen, insbesondere Bädern regelt. Aus Umweltaspekten sind vor allem die EnEV (Energieeinsparverordnung) und natürlich die (auch Ökodesign-Richtlinie genannte) ErP-Richtlinie für energieverbrauchsrelevante Produkte zu beachten. Deutsch-europäische Regulierungswut? Vielleicht. Doch am Ende dienen die Vorgaben alle dem guten Zweck – nämlich nachweisbar energiesparend und umweltschonend ein gutes Hotelzimmer-Klima zu erzeugen.

Beispielhaft wollen wir hier ein Doppelzimmer mit 22 m2 Grundfläche betrachten; darin integriert ein – wie für Hotels übliches – innenliegendes Bad von 5 m2 Größe. Ziel bei der Klimatisierung sind DIN EN 15251-konforme Mindest- und Maximaltemperaturen von 20 Grad Celsius im Winter beziehungsweise 26 Grad Celsius im Sommer sowie eine ebenfalls den Normen entsprechende Luftqualität. Zunächst einmal gilt, dass man in Zeiten immer dichterer Gebäudehüllen um eine kontrollierte, maschinell geregelte Lüftung kaum herum kommt. Die Lüftung mittels Fensteröffnung ist aus zwei Gründen wenig sinnvoll: Ein Fenster in Kipp-Stellung erreicht nicht den benötigten Mindestluftwechsel. Zudem beeinflusst man natürlich seinen thermischen Standard – zum Beispiel im Winter, wenn man zwar frische, aber eben auch kalte Luft hineinlässt, die dann erst wieder energieintensiv erwärmt werden muss. Doch wie viel frische Luft braucht der Raum eigentlich? Die maßgebliche Norm ist hier die DIN EN 15251. Demnach besteht der Außenluftbedarf aus zwei additiven Komponenten: dem Außenluftvolumenstrom für Personen plus dem Außenluftvolumenstrom zur Abführung von Gebäudeschadstoffen, beispielsweise Ausdünstungen des Teppichs. Die DIN EN 15251 unterteilt die Luftqualität in drei Kategorien und stellt jeder Kategorie einen Prozentsatz der zu erwartenden unzufriedenen Zimmergäste gegenüber. In der mittleren Kategorie (mit immer noch 20 Prozent Unzufriedenen) wird ein Frischluftstrom von 25 m3/h pro Person festgelegt – also 50 m3/h für unser Doppelzimmer. Addieren müssen wir nun den Luftstrom zur Kompensation der Gebäudeemissionen. Auch hier gibt es drei Kategorien: sehr schadstoffarm, schadstoffarm und nicht schadstoffarm. Für ein schadstoffarmes Gebäude ist ein Luftstrom von 2,52 m3/h pro Quadratmeter Wohnraum vorgeschrieben. Für das Doppelzimmer, das abzüglich des Bades 17 Quadratmeter misst, sind wir dem Raum also 92,8 m3/h Frischluft schuldig. Hat man seine Räume korrekt ausgelegt, stellt sich die Frage nach „der Wahl der Waffen“: Welches System erfüllt meine Anforderungen perfekt? Die effizienteste und smarteste Lösung ist eine, die sich vernünftigerweise auch immer mehr am Markt durchsetzt: zentral lüften, dezentral klimatisieren.

Die effizienteste Lösung: zentral lüften, dezentral klimatisieren

Die Klimatisierungs- und die Lüftungsaufgabe voneinander zu trennen garantiert hohe Energieeinsparungen und flexible Regelungsmöglichkeiten. Sind jedoch beide Aufgaben kombiniert, führt das Zentrallüftungsgerät nicht nur Frischluft zu – es konditioniert; erwärmt oder kühlt sie auch. Doch nicht selten besteht kein oder nur wenig Frischluftbedarf und es muss nur geheizt oder gekühlt werden. Besonders in Hotelzimmern ist dies der Fall: Die Räume stehen über Tag oft leer, weil der Gast touristische Ziele besucht, an Tagungen teilnimmt oder sich im Spa-Bereich aufhält. Sind die Aufgaben getrennt, wird das zentrale Lüftungsgerät, das ErP-konform mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet ist, immer nur soviel Frischluft zuführen, wie für die Aufrechterhaltung der Luftqualität vonnöten ist. Die dezentralen Geräte in den Zimmern müssen nur noch bedarfsgerecht nachtemperieren.

Dass die Zimmer über Tag oft leer sind, ist recht wahrscheinlich. Ganz sicher ist aber, dass die Räume bei Belegung nachts bewohnt sind. Die meiste Zeit des Aufenthalts verbringen die Gäste daher schlafend. Und bei Anwesenheit der Gäste müssen (in unserem Doppelzimmer-Beispiel) 92,8 m3/h Frischluft eingeleitet und temperiert werden. Die Notwendigkeit absoluter Ruhe trifft also auf das Maximum der Klimaanlagen-Aktivität und damit dessen Geräusch-Emission. Die Dimensionierung der Anlagen sollte daher immer anhand des Schalldruckpegels erfolgen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die erforderliche Wärme- oder Kühlleistung unter Einhaltung der Schallgrenzwerte erbracht wird.

Der Bedarf ist ermittelt – welche Geräte können nun die Anforderungen erfüllen?

Ist der Frischluftbedarf ermittelt und das Klimatisierungskonzept gewählt, gilt es, die richtigen Geräte zur Umsetzung zu finden. Neben den passenden Leistungsdaten ist entscheidend, dass die Produkte der ErP-Richtlinie entsprechen. Davon profitiert nicht nur die Umwelt – aufgrund der hohen Effizienz der Geräte sind auch hohe Energieeinsparungen möglich. Die offiziell „Richtlinie 2009/125/EG“ lautende Verordnung betrifft energieverbrauchsrelevante Produkte, zu denen Lüftungs- und Klimageräte zweifelsfrei gehören. So muss eine Zwei-Richtung-Lüftungsanlage, also ein Lüftungsgerät mit Fort- und Zuluftventilator, ab dem 1. Januar 2016 verpflichtend über ein Wärmerückgewinnungssystem verfügen. Zudem gibt die ErP-Richtlinie die Leistungseffizienz der Ventilatoren in Abhängigkeit von der Luftleistung und Geräteausstattung exakt vor.

Das Lingener Unternehmen Kampmann ist ein beratungsstarker Experte für Klimalösungen in Hotels und bietet ein großes Portfolio hotelkompatibler Klima- und Lüftungsgeräte sowie die entsprechende Integration in die Gebäudeleittechnik. Beispielhaft sei hier ein mögliches System mit Kampmann-Technik genannt.

Auf dem Dach oder im Technikraum platziert: ein oder mehrere Lüftungsgeräte Airblock KG; ein flexibles Zentral-Lüftungsgerät, das mit einem Diagonal-Plattenwärmetauscher ausgestattet ist und ErP-2018-konform bis zu 90 Prozent Wärme zurückgewinnt. Der Airblock KG versorgt als zentrales Gerät die dezentralen Fancoils in den Zimmern. Hier bietet sich der Venkon EC an, der auch als „Hotel-Venkon“ bekannt ist. Er ist der leiseste am Markt, mit EC-Technologie hocheffizient, VDI 6022-konform und entspricht natürlich auch der ErP-Richtlinie. Dieser Fancoil besticht durch seinen besonders leisen Grundbetrieb – ein Merkmal, das der Gast des Nachts zu schätzen wissen wird. Und auch in der Heizperiode, wenn der Venkon EC für die Erwärmung des Zimmers zuständig ist, zahlt sich sein flüsterleiser Betrieb aus. Über die KaControl-Regelung kann der Venkon in offene GLT-Systeme integriert werden – der Gast kann mittels eines Raumbediengerätes sein individuelles Wohlfühlklima nachregeln. Kampmann ist mit seinem Know-how übrigens auch im Münchener Hotelkompetenzzentrum vertreten.

Kurz zusammengefasst

Die korrekte Ermittlung des Frischluftbedarfs, ein passendes System, bei dem Lüftungs- und Temperierungsaufgabe getrennt sind, die Dimensionierung der Anlage anhand des Schalldruckpegels und die Einhaltung der ErP-Richtlinie sind die Eckpunkte für ein Klimasystem, das Gast, Betreiber und Umwelt zufrieden stellt. Eine komplexe Anforderung, bei der man sich von einem Fachmann beraten lassen sollte.