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Corona VS. Klima?

Was uns die Pandemie über unseren Umgang mit dem Klimawandel lehrt.

Nimmt man sich Medienberichte zur Coronakrise aus dem Frühjahr 2020 vor, stößt man erstaunlich oft auf den Zusammenhang zwischen Pandemie und Ökologie. Die Zeit des Lockdowns erscheint rückblickend auf eigentümliche Weise friedlich. Das soll nicht den Überlebenskampf vieler Unternehmen und Geschäfte in den Hintergrund rücken. Aber der Lockdown, die Zeit, die wir (außer für wesentliche Einkäufe) zu Hause verbrachten, hat uns auf uns selbst zurückgeworfen. Das Leben stand auf Pause. Wir hatten Muße, zu reflektieren, Muße, unsere Arbeits- und Lebensgewohnheiten sozusagen von außen zu betrachten und zu überdenken.

In einer Umfrage aus dem Mai gaben 25 Prozent der Deutschen an, zukünftig auf Flugreisen zu verzichten. Gleich jeder zweite wollte die Ökonomie grundlegend verändern. Das Fahrrad war plötzlich hoch im Kurs, der Spaziergang im Wald erlebte eine Renaissance. Deutschland hatte die Entschleunigung entdeckt und mit ihr das Bedürfnis, einen Teil dieses langsameren, bewussteren Lebensstils in eine Zeit zu tragen, die auf Corona folgt. Das liegt auch daran, dass das Thema Nachhaltigkeit bereits in unseren Köpfen schlummerte.

Denn vor Ausbruch der Pandemie haben wir uns mit dem Klimawandel beschäftigt. Freitags liefen regelmäßig Tausende von jungen Menschen durch die Straßen unserer Städte. Sie haben uns aufgefordert, den Klimawandel als das anzunehmen, was er ist: die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte. Es entstand etwas, das Trendforscher Tristan Horx als „Green Pressure“ bezeichnete, den Druck, ökologisch zu handeln. „Das Zeitalter der Ökologie steht bevor“, weissagte Horx. Selbst ein Turbo-Kapitalist wie die Fondsgesellschaft BlackRock erkannte die Zeichen der Zeit. Philipp Hildebrand, Vizepräsident bei BlackRock, sagte dazu: „Die Integration der Klimapolitik gehört heute zu einem wohlüberlegten, langfristig nachhaltigen Geschäftsmodell.“ Und entsprechend sind nachhaltige Unternehmen für BlackRock interessanter als solche, die es nicht sind.

Dann kamen die ersten Lockerungen. Und je weitreichender diese wurden, desto mehr Menschen gingen auf die Straßen, um gegen die Corona-Politik und noch viele andere Dinge zu protestieren. In den USA begannen nach dem gewaltsamen Tod George Floyds die Black-Lives-Matter-Proteste. Zeitgleich ging der US-Präsidentschaftswahlkampf in die heiße Phase und Donald Trump schaffte es, noch peinlicher und unberechenbarer zu werden als ohnehin schon. Laute, spalterische Themen, die den frischen, entschleunigten Spirit des Lockdowns untergruben. Der menschengemachte Klimawandel war plötzlich aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Und auch wenn die Erderwärmung im Herbst ein gesellschaftliches und mediales Comeback erlebte, stellt sich die Frage: Wie viel Krise hält der Mensch eigentlich aus?

Spitzbergen: Der Permafrostboden taut auf und hinterlässt Steinringe und andere regelmäßige Muster.

Die größte Krise des Jahres 2020 ist die Klimakrise

Wir können die Thematik vertagen. Doch der Planet setzt mit seiner Erwärmung nicht aus. Im Gegenteil: Auch 2020 wird wieder ein Rekordjahr hinsichtlich der globalen Temperaturen werden. Schon fast vergessen sind die furchtbaren Buschbrände, die Australien bis in den März hinein verwüsteten. Auch die Lage in Sibirien wurde eher am Rande wahrgenommen. Hier war das erste Halbjahr 2020 um vier Grad wärmer als im langjährigen Mittel und eine Hitzewelle nie gekannten Ausmaßes herrschte im Frühjahr. So maßen die Bewohner des Ortes Chatanga am Polarkreis am 25. Mai eine Temperatur von 25 Grad. Üblich sind null Grad. Das führte nicht nur zu verheerenden Waldbränden, sondern beschleunigte auch das Auftauen des Permafrostbodens.Und der Permafrostboden bindet riesige Mengen Treibhausgase – aber nur, so lange er gefroren ist.

In Tschechien wiederum herrschte eine außergewöhnliche Dürre, die als die schlimmste seit 500 Jahren gilt. Dagegen sind uns die Brände in Kalifornien, die im September stattfanden, noch in eindrucksvoller Erinnerung – dank der dystopischen Bilder, die der Qualm erzeugte: Der orange-braun leuchtende Himmel über San Francisco erinnerte frappierend an den Endzeit-Film „Blade Runner 2049“. Die Brände waren aber nicht nur optisch erschreckend eindrucksvoll: Das in mehreren Landesteilen lodernde Inferno bedeutete den größten, den dritt- und viertgrößten kalifornischen Buschbrand seit Beginn der Aufzeichnungen – und zwar gleichzeitig. Der zweitgrößte ereignete sich erst 2018.

Dystopisches Szenario: Der orange Himmel über San Francisco, ausgelöst durch die verheerenden kalifornischen Waldbrände.

Dass solche Ereignisse nichts mit dem Klimawandel zu tun haben, glauben nur noch Menschen wie Donald Trump. Allein die Häufung solcher Katastrophen weltweit ist mehr als nur ein Indiz. Auch die Wissenschaftler können die Erderwärmung längst empirisch nachweisen. Es gilt längst nicht mehr, den Klimawandel zu verhindern. Wir sind mittendrin. Und das Einzige, was der Menschheit zu tun bleibt, ist, den Prozess zu verlangsamen und zu beschränken. Am besten auf die 1,5 Grad Erwärmung, die als Ziel des Pariser Abkommens vereinbart wurden, was schwer genug sein wird.

Hat sich die Atmosphäre während des Lockdowns erholt?

Zu Zeiten des Lockdowns war viel darüber zu lesen, wie sich die Natur erholte. Dass mehr Wildtiere zu sehen waren und die Luft sauberer erschien. Selbst in chinesischen Industrieregionen, die oft unter einer zähen Smog-Glocke festsitzen, hatte man wieder freie Sicht. Das Wasser in den Kanälen Venedigs war wieder klar. Es lag ja auch auf der Hand: Dank des globalen Lockdowns blieben „Klimakiller“ wie Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe in ihren Hangars und Häfen. Viele Fabriken schlossen oder gingen in Kurzarbeit. Millionen Menschen ließen ihr Auto stehen und weilten im Homeoffice. Hatte der Lockdown also einen positiven Effekt auf das Weltklima?

Auf den ersten Blick schien sich die Atmosphäre tatsächlich zu erholen: Es gab einen deutlich messbaren Effekt. In der industriereichen Region rund um Mai-land, in China und auch in Spanien konnten Wissenschaftler bis zu 25 Prozent weniger Stickstoffdioxid in der Atmosphäre messen – ein erheblicher Rückgang.

Anders verhielt es sich mit dem noch schädlicheren Kohlenstoffdioxid (CO2). Denn während sich NO2 automatisch abbaut, wenn die Quelle versiegt, reichert sich CO2 in der Atmosphäre an. Es dauert Jahrhunderte, bis es sich verflüchtigt. Der geringe CO2-Ausstoß während des Lockdowns hat den Klimawandel also nur temporär verlangsamt.

Da lesen sich die aktuellen Zahlen zum CO2-Gehalt der Atmosphäre umso dramatischer. Am 3. Mai dieses Jahres, also mitten in der Lockdown-Zeit, wurde ein neuer Höchststand gemessen. Das hawaiianische Mauna-Loa-Observatorium verzeichnete 418 Moleküle pro Million Luftteilchen. Vor einem Jahr hatte der Höchstwert bei 415 ppm gelegen. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist um etwa 50 Prozent gestiegen, seit man in Großbritannien die Kohleöfen anschmiss, sprich: seit Beginn der industriellen Revolution. Für Wissenschaftler war die Zeit des Lockdowns dennoch hochinteressant: Sie konnten einen Blick in eine emissionsärmere Zukunft werfen – so es die denn geben wird.

Wo bleibt unser Bewusstsein für die Klimakrise?

Man kann das vielleicht so erklären: Wie viele Menschen sind in Deutschland an einer Covid-19-Infektion gestorben? Tausende! Viele Menschen haben Angehörige, die an einer Covid-19-Infektion gestorben sind, oder haben Freunde, die Opfer kannten. Wer jemanden kennt, der am Virus schwer erkrankt oder zu Tode gekommen ist, der nimmt die Krankheit ernst.

Aber wer kennt jemanden, der am Klimawandel gestorben ist? Keiner? Sicher schauen wir entsetzt in den Fernseher, wenn der Nordpol mal wieder eisfrei ist, wenn Eisbären entkräftet kilometerweit durchs offene Meer schwimmen, auf der Suche nach Futter. Wenn Tausende Hektar Wald in Flammen stehen und Inseln zu versinken drohen. Aber wir sind auch ganz gut darin, es zu verdrängen. Es nicht auf uns zu beziehen. Weil es weit weg ist. Weil wir selber nicht darunter leiden müssen, wie wir glauben. Doch wir leiden bereits.

Die Hitzewellen der letzten drei Sommer hier bei uns in Deutschland hatten Tausende von Todesfällen zur Folge. Und die europaumfassende Hitzewelle von 2003 kostete einer Studie zufolge etwa 70.000 Menschen das Leben. Eine immer älter werdende EU-Bevölkerung ist den immer öfter auftretenden Hitzewellen gegenüber besonders anfällig. Hinzu kommt die Umweltverschmutzung: Die Europäische Umweltagentur hat herausgefunden, dass jeder achte Todesfall in der EU im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung steht. Das wären 630.000 Todesfälle pro Jahr. Dagegen ist das Corona-Virus harmlos.

Konsequenterweise müssten wir unser Leben wegen der Klimakrise genauso auf den Kopf stellen wie angesichts der Coronakrise. Das ist für jeden einzelnen schnell erreicht: Auf CO2-intensives Reisen verzichten, das Auto öfter stehen lassen, bewusst und möglichst saisonal und regional einkaufen und den Fleischkonsum massiv einschränken. Eigentlich recht simpel. Und ein Weg, den Planeten zu retten und für unsere Enkel bewohnbar zu halten.

Für Unternehmen ist die Herausforderung größer. Produktionsabläufe, Materialeinkauf, Lieferketten – diese komplexen Systeme nachhaltig zu optimieren, ist eine Mammutaufgabe. Entsprechend groß ist noch der Nachholbedarf bei der deutschen Industrie im Allgemeinen. Aber das soll und wird für uns, für das Unternehmen Kampmann, keine Ausrede sein. Die Kampmann GmbH & Co. KG stellt sich der Herausforderung, die der Klimawandel mit sich bringt: mit effizienten, zukunftsfähigen Produkten und Lösungen sowie mit einer gelebten Nachhaltigkeitsstrategie, mit der unser ökologischer Fußabdruck möglichst schnell schrumpfen soll. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Das chinesische Zeichen für Krise setzt sich zusammen aus den Silben „Gefahr” und „Chance”.

Was können wir aus der Krise lernen? Das fängt mit Kleinigkeiten an, die sich aber zu einer immensen Reduzierung des CO2-Ausstoßes summieren können. Zum Beispiel das Homeoffice. Der Autokonzern PSA, zu dem Citroën, Opel und Peugeot gehören, macht nach den Erfahrungen im Lockdown das Homeoffice für all jene zur Pflicht, die nicht mit der Produktion verbunden sind. Das spart Zeit und Nerven durch den entfallenden Arbeitsweg sowie CO2-Emissionen dank Einsparungen bei Sprit, Heizung und Strom. Viele andere Unternehmen stellen den Mitarbeitern frei, im Homeoffice zu arbeiten. Weitere machen es zum Standard.

Gleichzeitig haben sich Videokonferenzen etabliert. Die Technik dazu gab es schon lange. Aber man hat sich doch immer noch lieber ins Flugzeug oder Auto gesetzt, um Meetings abzuhalten. Mit dem Lockdown kam der Durchbruch für Teams, Zoom, GoTo und Co. Aber schon jetzt merkt man, dass der Trend nachlässt. Sicher: Manchmal muss man zusammen an einen Tisch. Aber Videokonferenzen sollten in Zukunft dennoch eine Tugend bleiben.

Was wir auch gelernt haben: Innerhalb kürzester Zeit unser gesamtes Leben umzukrempeln angesichts einer Krise, wie sie die moderne Industriegesellschaft noch nicht erlebt hat. Und da stellt sich die Frage, warum wir das nicht auch in Bezug auf die Klimakrise schaffen? Die, wie gesagt, noch viel existenzieller ist.