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Bella Italia! (Ein Klischee?)

Über den Brenner ins „Sehnsuchtsland der Deutschen“.

Deutschland in den Fünfziger- und Sechziger-Jahren: eine unbeschwerte Zeit; süß und (trügerisch) unschuldig. Der Zweite Weltkrieg war vorbei und die Republik erhob sich wie ein Phönix aus der Asche der unzähligen Ruinen. Der Wiederaufbau schritt rasch voran und das Wirtschaftswunder brachte die Vollbeschäftigung mit sich. Die Reallöhne stiegen um das Zweieinhalbfache, sodass sich die Bürger die Früchte des technischen Fortschritts leisten konnten. Der VW Käfer ist ein treffendes Symbol dieser Zeit. Mit ihm ging es über den Brenner in das „Sehnsuchtsland der Deutschen“, nach Italien. Die Alpen, die stets wie eine unüberwindliche Mauer die beiden Nationen trennte; dieses Gebirge war plötzlich überwindbar – und hinter den Alpen: Sonne, Wein und Strand. Azurblaues Meer, idyllische Landschaften, Pizza und Pasta. Eine entspannte Lebensart unter ständig strahlendem Himmel, gesäumt von duftenden Zypressen, Olivenbäumen, historischen Bauwerken und Tausenden Kirchen und Kapellen. Ein Klischee?

Denken wir heute an Italien, fallen uns oft auch negative Attribute ein. Zum Beispiel hohe Arbeitslosenzahlen, wirtschaftlicher Abschwung, massive Überschuldung und der seltsame Hang der Italiener, immer wieder auf Silvio Berlusconi hereinzufallen. Und doch: Das Sehnsuchtsland existiert noch. Vielleicht aber hat es auch nie existiert. Denn Italien besitzt zwar dieses mediterrane Lebensgefühl, tolles Essen und wundervolle Landstriche – aber eben selten alles auf einmal. Das ursprüngliche, ja, fast archaische Italien, findet man vor allem im Süden des Landes, dem Mezzogiorno, wie es hier heißt. Dem Touristen gefallen die abgelegenen, pittoresken, sich an Berghänge krallenden Dörfer mit ihren verputzten Wänden und roten Dächern; das Karge – schwarz gekleidete alte Männer mit lederner, zerklüfteter Haut, die am Wegesrand sitzen, das Kinn auf einen knorrigen Gehstock gestützt; ein schreiender Esel im hohen Gras und verlassene Strände zwischen steilen, weißen Klippen. Was so idyllisch erscheint, ist oftmals auch ein Ausdruck der Armut, die hier herrscht. Ähnlich wie der Osten Deutschlands nach der Wende ist Süditalien eine strukturschwache, landwirtschaftlich geprägte Region. Hinzu kommt die organisierte Kriminalität: Camorra, 'Ndrangheta und Cosa Nostra haben im Mezzogiorno immer noch großen Einfluss und isolieren die geografisch ohnehin abseits gelegene Region umso mehr.

Decke mit Gemälde in einer Kirche in Suisio in Italien

Ganz anders der Norden: Der Ballungsraum um die großen Wirtschaftszentren Mailand, Turin und Genua (triangolo industriale) im Nordwesten und die Region der östlichen Po-Ebene gehören zu den wirtschaftlich stärksten Gebieten Europas – vor Beginn der Finanzkrise 2008 herrschte hier sogar Vollbeschäftigung. Und auch wenn die Krise dem Staat ordentlich zusetzt und der internationale Wettbewerb weiter zunimmt, ist Italiens Norden nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsmotor in Europa.

Immer noch weit verbreitet: der römisch-katholische Glaube.

In ökonomischer Hinsicht gibt es also ein klares Nord-Süd-Gefälle im „Stiefel-Staat“. Keine Unterschiede herrschen hingegen beim Glauben – die römisch-katholische Kirche ist im ganzen Land weit verbreitet. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zu dieser Konfession; ganz gleich welcher geografischen oder sozialen Herkunft. So war Michele Ferrero ein tiefgläubiger Katholik. Der Anfang 2015 verstorbene Eigentümer des gleichnamigen Süßwarenherstellers war überzeugt, dass er den Erfolg seines Unternehmens der Madonna von Lourdes zu verdanken hatte. Entsprechend hat Michele Ferrero, der zu den reichsten Menschen der Welt gehörte, in allen Konzern-Niederlassungen Madonnenstatuen platzieren lassen. Diese kleine Anekdote verdeutlicht, wie präsent der Glaube in Italien ist und wie sehr die Gesellschaft von ihr durchdrungen ist. Und deswegen ist ein eingangs erwähntes Klischee auch absolut und immer noch wahr: Italien ist gespickt mit Kirchen, Kathedralen und Kapellen. Alleine in Rom gibt es Hunderte Kirchen – mehr als tausend sollen es sein. So ganz genau hat sie scheinbar noch niemand gezählt; zumal jährlich neue hinzukommen. Wie viele Gotteshäuser es in ganz Italien gibt, weiß, nun ja, Gott allein. So ist Italien der Hauptmarkt für ein spezielles Produkt aus Kampmanns Portfolio: die Kirchenheizung Konvent.

Ob Kathedrale oder Kapelle – Gotteshäuser stellen besondere Anforderungen an die Gebäudetechnik. Kirchen, besonders katholische, sind oft prächtig ausgestattet: Statuen, Kreuze, Fresken, Altäre – Inventar und Bausubstanz sind unbedingt schützenswert. Bautechnische Eingriffe sollten daher möglichst vermieden oder klein gehalten werden. Für die Beheizung kommt hinzu, dass das zu schnelle Aufheizen oder Abkühlen des Raumes dem oftmals historischen Material zusetzt. Gleichzeitig soll die Heizung möglichst dezent installiert werden, um den Blick auf die Kulturgüter nicht zu verstellen und natürlich möglichst leise sein, um bei der Andacht nicht zu stören. Mit langsamen und damit schonenden Aufheiz- und Abkühlvorgängen, niedrigen Luftgeschwindigkeiten und flüsterleisem Betrieb ist die Konvent Kirchenheizung genau für diese Bedingungen ausgelegt. Und trotz des gewaltigen zu temperierenden Volumens einer Kirche sind die Einbaumaße der Heizeinheiten gering. Eine perfekte Lösung also. Doch wie kommt die Kirchenheizung von Kampmann in Deutschland nach Italien, beispielsweise nach Suisio in der Nähe von Bergamo?

Lingen – Bozen: Der klimakommunikative Brennerpass.

Im Grunde nicht anders als die deutschen Touristen mit ihren Käfern in den Sechzigern – über den Brenner. Denn noch heute ist der Pass die meist genutzte Transitstrecke über die Alpen. Von Norden her kommend, endet der Brennerpass in der Provinz Bozen in Südtirol. Das autonome, kulturell vielfältige und mehrsprachige Südtirol ist die nördlichste Provinz Italiens. Die Landeshauptstadt Bozen hat sich daher schon fast zwangsläufig zu einem wichtigen Standort für die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen entwickelt. So hat auch die Handelsagentur Tecnoprisma seinen Sitz in Bolzano (wie Bozen in der Landessprache heißt) und vertreibt von hier aus als Kampmann-Niederlassung Geräte für Heizung, Klima und Lüftung in Italien. Neben den bereits erwähnten Kirchenheizungen sind Kampmanns Bodenkanalheizungen, insbesondere der Katherm HK die Bestseller. Aber auch Türluftschleier und der Lufterhitzer Ultra sind wichtige Umsatzträger.

Das Tecnoprisma-Team besteht im Kern aus drei Personen: Cesare Chizzali, Gianni Boratti und Alessandro Pasqualotto. In 2004 hat Cesare Chizzali seinen Heizungsfachgroßhandel, den er zuvor viele Jahre erfolgreich geführt hat, in eine Handelsvertretung für Kampmann umgewandelt und den Lingenern damit den Zugang zum Mittelmeerraum ermöglicht. Analog zur wirtschaftlichen Zweiteilung Italiens ist der Hauptabsatzmarkt der dynamische Norden bis hinunter nach Rom. In diesem Hauptaktionsgebiet sind zwölf weitere Handelsvertreter auf Provisionsbasis für Kampmann unterwegs. Die Abstimmung mit der Zentrale in Lingen, der kommunikative Brennerpass sozusagen, findet zwischen Alessandro Pasqualotto und Rainer Middendorp statt, dem Verkaufsleiter Süd-Europa. Gemeinsam entwickeln sie die individuelle Strategie für die Objekte, bestimmen Konditionen und Marketing, sind auf Messen präsent und führen wichtige Gespräche mit Kunden und Fachgroßhandel.

So also kommt Kampmann-Technik nach Italien. Zum Beispiel in das vornehme Hotel Lido Palace, einem Jugendstil-Palast, der mit Katherm HK heizt und kühlt. Oder dem Benetton Einkaufscenter in Rom. Oder eben nach Suisio bei Bergamo. Dort wurde die historische Pfarrkirche Sant'Andrea Apostolo mit Konvent Kirchenheizungen ausgestattet. Architektonisch von außen recht nüchtern und schlicht, überwältigt das Innere der Kirche mit überbordendem Prunk: prächtige Gemälde, gewaltige Fresken, marmorne Säulen, Verzierungen und Statuen, wohin das Auge blickt. Optisch zurückhaltend ist hier nur die Konvent Kirchenheizung. Deutsche Ingenieurskunst begegnet italienische Handwerkskunst – wenn da mal nicht wieder Klischees aufeinander treffen. Für das Italien-Klischee gilt, was so oft gilt: Das kann man so nicht sagen.

Bilder: Dorf Manarolo in Cinque Terre by MartinM303/iStockphoto; Chiesa di Suisio by Parocchia S. Andrea Apostolo