Kampmanns Schwester-Unternehmen realisiert größten Auftrag der Unternehmensgeschichte

Düsseldorf ist ohne Zweifel eine der aufregendsten Städte Deutschlands. Ganz nüchtern betrachtet, sprechen dafür Argumente wie der Flughafen (der drittgrößte Deutschlands), die Messe, die Rheinhäfen, die Universitäten und die Wichtigkeit als Banken- und Wirtschaftsstandort. Relevanter für den Charakter einer Stadt sind allerdings nicht solche Hard-Facts, sondern emotionale Auszeichnungen: die Altstadt, die längste Theke der Welt! Altbier! Der Karneval! Fußball! Eishockey! Die Rhein-Promenade! Die unterhaltsame Rivalität mit Köln! Jede Menge Kultur! Der Hofgarten! Und natürlich die weltberühmte Königsallee, die jeder nur die „Kö“ nennt.

Wer zuletzt einmal Düsseldorf besucht hat, der empfand die Stadt möglicherweise als große Baustelle. Einmal quer durch das ganze Stadtzentrum finden sich Baustellen, wo der Boden weit aufgerissen ist; man blickt in einen tiefen Schlund. Dies sind nicht mehrere Baustellen ‒ es ist eine einzige: der Neubau der 3,4 Kilometer langen „Wehrhahn-Linie“; die unterirdische Erweiterung der Düsseldorfer Stadtbahn. 2007 wurde mit dem Bau begonnen, 2015 soll die Strecke eröffnet werden. Die Wehrhahn-Linie wird dann dezent im Untergrund die Infrastruktur der Stadt bereichern. Sehr viel bedeutsamer für das Stadtbild wird jedoch ein anderes Projekt sein, das ohne die neue U-Bahn- Strecke nicht möglich gewesen wäre: der Kö-Bogen.

ZWISCHEN KÖ UND HOFGARTEN

Städtebauliche Großprojekte sind nie unumstritten. Auch die weitreichenden Planungen rund um den Kö-Bogen lösten kontroverse Diskussionen in Düsseldorf aus. Ein Bürgerentscheid im Jahr 2008 scheiterte mit einer Wahlbeteiligung von 16,8 Prozent deutlich am Quorum. Man könnte auch von 83,2 Prozent stiller Zustimmung sprechen. Zu Recht, denn der Kö-Bogen wird das ohnehin attraktive Zentrum der Rheinstadt noch weiter aufwerten.

Zwischen dem Nordende der Kö und dem Südende des Hofgartens befindet sich der Jan-Wellem-Platz; seit vielen Jahren ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Stadtbahn. Mit dem Bau der Wehrhahn-Linie wurde dieser jedoch obsolet. Ein Freiraum entstand, der jeden Städteplaner inspirieren musste: Im Norden und Westen der Hofgarten, im Osten das Ensemble aus Dreischeibenhaus, Gustaf-Gründgens-Platz und Schauspielhaus und im Süden die Kö. Der im Bau befindliche und zum Teil schon eröffnete Kö-Bogen von Star-Architekt Daniel Libeskind (u. a. „One World Trade Center“, NY) schafft es, diese vorher recht autark funktionierenden Elemente zu vereinen und das Stadtzentrum damit zu vergrößern. Er tut dies mit herausragender Architektur und einem feinen Gespür für das Umfeld.

Animation Köbogen

Die Fassaden des Kö-Bogens bestehen einheitlich aus fast weißem Naturstein und Glas. Uneinheitlich ist hingegen die Fassadenstruktur. Die zum Hofgarten gewandte Seite nimmt die Wölbung der Gartengrenze auf (daher Kö-Bogen), während Glas und Stein vertikale Muster bilden und somit den emporstrebenden Bewuchs des Gartens spiegeln. Eine weitere Reflexion bilden die diagonalen, bepfl anzten Einschnitte. Die Fassade in Richtung Gustaf-Gründgens-Platz ist wellenförmig; ihre Struktur horizontal aber ungleichmäßig, was der langen Fassade viel Dynamik verleiht und einen Kontrast schafft zu den strengen Formen des gegenüberliegenden Dreischeibenhauses.

KÖ ‒ KONSUM ‒ KLIMA: NOVA

Die Nutzung wiederum ist eine Fortführung der Kö: ein Konsum-Tempel also (plus Büros). Nicht wenige hätten hier einen kulturellen Ansatz bevorzugt. Aber egal ob Konsum oder Kultur ‒ in Gebäuden dieser Größenordnung ist Klimatisierung eine wichtige und herausfordernde Aufgabe. Hier konnte das Donaueschinger Unternehmen NOVA ‒ das seit 2011 mit Kampmann kooperiert ‒ den größten Auftrag seiner 55-jährigen Firmengeschichte für sich verbuchen. Gemeinsam mit dem Düsseldorfer Planungsbüro Winter Ingenieure wurden 16 Klimaanlagen geplant, die insgesamt eine Luftmenge von 540.000 m³/h aufweisen. Alle Geräte wurden mit adiabater Verdunstungskühlung, Doppelplattenwärmetauschern mit hoher Wärmerückgewinnung und Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik ausgeführt. Zusätzlich wurde die Kälteerzeugung in die Lüftungsgeräte integriert. Ausschlaggebend für den Erhalt des Auftrags war ‒ neben der Erfahrung und Kompetenz bei der Auslegung komplexer Gerätetechnik ‒ die besonders stabile Gehäuseausführung des Spezialisten aus dem Schwarzwald. So mussten die einzelnen Gerätekuben nicht nur durch extrem enge Einbringöffnungen ins Gebäude transportiert werden, sondern inmitten der Geräte galt es, statisch notwendige Säulen des Gebäudes zu integrieren.

Luftaufnahme Köbogen

Insgesamt können über die adiabate Verdunstungskühlung allein durch die Verwendung von Wasser 1.700 kW Kälteleistung erzeugt werden. Der Anteil der notwendigen Leistung für die mechanische Kühlung konnte dadurch um 40 Prozent minimiert werden. NOVAs Anlagen sind damit Teil eines ambitionierten Nachhaltigkeits-Konzepts für den Kö-Bogen. Man entschied sich, das Gebäudeensemble nach dem renommierten amerikanischen LEED-System bewerten zu lassen, welches in sechs wesentliche Kategorien aufgeteilt ist: nachhaltiger Standort, Wassereffizienz, Energieeffizienz, Materialien & Ressourcen, Innenraumqualität sowie innovative Ideen. In allen Bereichen erzielte der Kö-Bogen herausragende Bewertungen und konnte so den höchsten Zertifizierungsgrad erreichen: Platin.

Am 17. Oktober 2013 wurde der erste Bauabschnitt eröffnet und schon heute ist der Kö-Bogen als Düsseldorfer Wahrzeichen etabliert. Eine Bereicherung für eine ohnehin schon wunderbare Stadt, eine weitere spektakuläre Referenz für Daniel Libeskind und ein großer Erfolg für den Spezialisten NOVA.

Bildnachweise:
Kö-Bogen @ Archimation