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"Fußball ist immer DING, DANG, DONG"*

*Giovanni Trappatoni 

… und manchmal auch ein Museum. In Dortmund entsteht zurzeit das Deutsche Fußballmuseum.

„Echte Liebe“, so formulieren die Fans von Borussia Dortmund die Hingabe zu „ihrem“ Verein, auch wenn es in der Saison 2014/15 sportlich nicht nach Wunsch läuft. „Echte Liebe“ – es könnte auch der Ausdruck der Leidenschaft zum Fußball im Allgemeinen sein. Ja, es gibt Menschen in Deutschland, denen das Spiel herzlich egal ist. Aber große Teile der Bevölkerung verfolgen jedes Wochenende gebannt das Geschehen auf dem Rasen. Und das nicht nur in der Bundesliga. Selbst in der vierten Kreisklasse ist man noch mit Feuereifer dabei – auf dem Spielfeld und hinter der Bande.

König Fußball regiert. Sechseinhalb Millionen Menschen sind in mehr als 27.000 Vereinen angemeldet. Viele weitere Millionen verfolgen die Spiele im TV; Hunderttausende strömen jedes Wochenende in die Stadien; riesige Volksfeste werden beim Public Viewing gefeiert; vornehmlich, wenn die Deutsche Nationalmannschaft spielt. So wie vergangenes Jahr, als „wir“ zum vierten Mal Fußball-Weltmeister geworden sind.

Zeit, dem Fußball einen Ort zu widmen, der die Faszination dieser Sportart dokumentiert und erlebbar macht.

"Schäfer nach innen geflankt – Kopfball, abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – TOOR, TOOR, TOOR, TOOOR!"

Jeder Fußball-Fan kennt diese Worte. Und jedem laufen bei den sich überschlagenden Worten des damaligen Radio-Reporters Herbert Zimmermann Schauer über den Rücken. Auch heute noch – mehr als 50 Jahre nach dem Gewinn der ersten Weltmeisterschaft für das deutsche Nationalteam beim „Wunder von Bern“ – Gänsehaut. Fußball ist Emotion. Und so viel mehr. Ein Museum für den deutschen Fußball hat die komplexe Aufgabe, eine gewaltige Bandbreite von Aspekten zu berücksichtigen. So heißt es im Leitbild des Deutschen Fußballmuseums:

„Es [das Museum] veranschaulicht die vielfältigen sportlichen, politischen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Aspekte, Bedeutungen und Botschaften des Fußballs – aber auch die untrennbar mit ihm verbundene Faszination, Emotion, Spannung und Unterhaltung.“

Ob dieser Spagat gelingt, muss sich erst noch zeigen. Denn bei Drucklegung dieses Magazins befindet sich das Fußballmuseum noch im Rohbau-Zustand. Immerhin: Die Bodenkanalheizungen Katherm QK sind bereits installiert. Die Eröffnung ist für Sommer 2015 geplant. Wenn das Museum seine Pforten öffnet, ist ein Prozess beendet, der mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2006 begann.

Fotos der Helden von Bern im Deutschen Fußballmuseum

Nach Jahren des „Rumpelfußballs“ (unter anderem mit dem schmählichen Ausscheiden in der Vorrunde der EM 2000 unter Erich Ribbeck) spielte die National-Elf unter Trainer Jürgen Klinsmann nun einen erfrischenden und vor allem erfolgreichen Offensiv-Fußball. Dazu feierten die Deutschen vier Wochen lang bei bestem Sommerwetter eine ausgelassene Straßen-Party. Die Welt rieb sich erstaunt die Augen ob soviel teutonischer Offenheit und Lebensfreude. Das „Sommermärchen“ war geboren. Und mit ihm der Wunsch, einen Raum der Erinnerung zu schaffen für dieses Ereignis. Und für viele denkenswerte Fußball-Ereignisse mehr. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entschloss, ein Museum zu bauen.

München oder Dortmund – Hauptsache NRW (frei nach Andy Möller)

2007 wurde der Standort für das Museum ausgeschrieben. Von den 14 Städten, die sich bewarben, favorisierte der DFB jene aus Nordrhein-Westfalen: Gelsenkirchen, Köln, Oberhausen und Dortmund. Dies nicht nur, weil das Bundesland über das mit Abstand größte Einzugsgebiet verfügt, sondern auch wegen der leidenschaftlichen Fans von Bochum bis Düsseldorf, von Schalke bis Köln. Mit einem Museum in NRW würde man einen Fußball-Erinnerungs-Tempel ins Herz der deutschen Fan-Kultur platzieren. Im April 2008 kam es dann zur Entscheidung: Bei der Abstimmung während des Außerordentlichen Bundestags des DFB in Düsseldorf setzte sich Dortmund durch. Ein wesentliches Argument für den Standort Dortmund ist sicherlich die exponierte Lage, an der das Museum entsteht: Perfekt erreichbar gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof füllt das Fußballmuseum eine städtebauliche Lücke und vervollständigt die Kunst- und Kulturmeile der Ruhrgebietsmetropole. Das berühmte „Dortmunder U“, das Harenberg City-Center, die Stadt- und Landesbibliothek, der RWE-Tower, das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, das Konzerthaus Dortmund – all diese kulturellen Einrichtungen reihen sich innerhalb eines Kilometers wie an der Perlenkette auf. Und mittendrin das Fußballmuseum. Wenige Meter südlich trifft man auf den Westenhellweg, die meist frequentierte Einkaufsstraße Deutschlands. Prominenter kann man ein besucherorientiertes Museum nicht in ein Stadtbild implementieren.

Cityplan der Kunst- und Kulturmeile in Dortmund

Nun galt es, architektonisch tätig zu werden. Ein Wettbewerb wurde ausgelobt. Dabei war dem DFB wichtig: „Wir streben eine ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige und effiziente Bauweise an, die natürliche Ressourcen schont und die Betriebskosten des Gebäudes niedrig hält“, so Manuel Neukirchner, Sprecher der Geschäftsführung der Stiftung DFB Fußballmuseum. Dass Bodenkanalheizungen von Kampmann in dem Gebäude arbeiten werden, passt also ins Konzept. Am Ende haben sich die Architekten von HPP (Hentrich-Petschnigg & Partner) aus Düsseldorf mit ihrem Entwurf gegen 23 Mitbewerber durchgesetzt.

Ausstellung des Champions League Pokals und des DFB Pokals im Deutschen Fußballmuseum

Transparenz – das ist in Zeiten komplett-verglaster Fassaden ein oft verwendetes Attribut für moderne Gebäude. Im Falle des Deutschen Fußballmuseums ist die Transparenz nicht nur Oberfläche, sondern gelebtes Konzept. Der zentrale Standort in Dortmunds Innenstadt bringt es mit sich, dass täglich Tausende Menschen das Gebäude passieren. Das Museum lädt mit einem gewaltigen gläsernen Foyer all diese Leute ein. Das Erdgeschoss beherbergt einen großen öffentlichen Raum mit Gastronomie, Multifunktionsarena und Wechselausstellungsbereich. An der äußeren Stirnseite unterhält und informiert eine 24 Meter breite und 2,5 Meter hohe LED-Wand Besucher und Passanten auf dem Museumsvorplatz. Wo kein Glas ist, besteht die Außenhaut des Gebäudes aus einer perforierten Metallfassade die mit verschiedenen Fußball-Themen bespielt werden kann und andeutet, was einem im Museum erwartet: ein multimediales Erlebnis.

"Konzepte sind Kokolores" (Erich Ribbeck)

Das Ausstellungskonzept läuft unter der Leitidee „Wir sind Fußball“. Dieses Motto vereint Millionen von aktiven Amateuren, die Woche für Woche die Fußballplätze der Republik bevölkern; Heerscharen von ehrenamtlichen Helfern, ohne die es nicht gehen würde; die Profis der Bundesliga, eine der stärksten Ligen der Welt und natürlich die Nationalmannschaften der Männer und Frauen, beide mehrfache Titelträger von Europa- und Weltmeisterschaften.

Fußball ist nur ein Spiel. Eigentlich. Denn die Kultur, die sich um den Volkssport herum gebildet hat, hat Auswirkungen auf das ganze Land; gesellschaftlich, ökonomisch, kulturell. 19 Sporthistoriker und Wissenschaftler haben sich für die Ausstellung mit 134 verschiedenen Themen rund um den deutschen Fußball beschäftigt und Unmengen an Material zusammengetragen. So fundiert und sorgfältig aufgearbeitet die Themen sind, ein zentrales Anliegen der Macher ist auch zu unterhalten und die Emotionen, die der Fußball mit sich bringt, in das Museum zu tragen. Hierfür wurde die Ausstellung in fünf Bereiche gegliedert: „Vor dem Spiel“ wird emotional eingeheizt. In der „1. Halbzeit“ wird die Welt der Nationalmannschaften und der Profis beleuchtet. Zur „Halbzeitpause“ beschäftigt man sich mit Training und Taktik, während es in der „2. Halbzeit“ um den Vereinsfußball geht. „Nach dem Spiel“ wird der ganze Facettenreichtum noch mal zusammengefasst. Das alles mit modernster Ausstellungstechnologie und emotionaler Inszenierung.

Schaubild der Systemtheorie im Deutschen Fußballmuseum

Natürlich wird es auch klassische Vitrinenstücke geben: Welcher Fan möchte nicht gern den original Endspielball des Berner Finals sehen? Oder den WM-Pokal, den Jogis Jungs vergangenen Sommer aus Rio de Janeiro mitbrachten? 1600 Exponate wurden insgesamt eingesammelt. Prominentester Neuzugang: Mario Götzes linker Schuh, mit dem er das Siegtor im Finale gegen Argentinien schoss. Bei der TV-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ hat am 6. Dezember 2014 ein unbekannter Spender sage und schreibe zwei Millionen Euro für den gelben Schuh hingeblättert. Großer Respekt! Auch davor, dass der edle Philanthrop die Fußbekleidung dem Fußballmuseum zur Verfügung gestellt hat.

Ein bisschen dauert es noch, bis wir das feine Leder betrachten dürfen, das im Finale von Rio den goldenen Fuß Mario Götzes umschloss. Bis dahin schwelgen wir noch in beglückender Erinnerung:

"Schürrle … – der kommt an! – Mach ihn, MACH IHN, ER MACHT IHN! MARIO GÖTZEEE!"

Mittlerweile hat das Museum geöffnet und ist einen Besuch unbedingt wert! Mehr Infos unter: www.fussballmuseum.de

Bilder: Ausstellungsbilder by DFM/Roesner; Gebäudebild by DFM Hannappel; Standortkarte by Stadt Dortmund