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Folge 1: Meisterliches vom Bierdeckel

Herr Ensink, auch wenn es sich widersinnig anhört: Willkommen in Ihrer neuen Rubrik!

Vielen Dank! Ich freue mich darauf, hier über Vergangenes berichten zu können, aber auch über die neuesten Entwicklungen und Trends unserer Branche.

Wir unterhalten uns hier ja aus verschiedenen Gründen: Sie kennen Kampmann so gut wie sonst wohl nur Heinrich Kampmann. Sie kennen die Klimabranche so gut wie kaum einer. Und vor allem – jeder kennt Sie, zumindest in der TGA-Branche. Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege.

Ach, naja ... aber es stimmt schon: Im Laufe der Zeit lernt man viele Leute kennen. In der Verbandsarbeit erfährt man neue Trends vom Markt, aber insbesondere auch das, was uns bezüglich der Gesetzgebung erwartet. In den Normen - ausschüssen lernt man Kollegen aus Wissenschaft und For - schung, aber auch Marktbegleiter kennen. Bei allen moder - nen Trends in der Kommunikation ist es aber immer noch der persönliche Kontakt, der letztendlich entscheidend ist.

Sie sind jetzt über 37 Jahre bei Kampmann – Hut ab! Gab es eine Zeit auf die Sie – sei es zum Guten, sei es zum Schlechten – besonders zurückblicken?

Ich blicke mit Genugtuung auf viele unserer erfolgreichen Ideen und Entwicklungen zurück. Natürlich gab es auch Misserfolge oder Tage, wo man mal mit Bauchschmerzen zur Arbeit fuhr. Es überwiegen auf jeden Fall sehr deutlich die guten Erinnerungen.

Sie hatten ja mal einen ultraguten Einfall, bei dem ein Bierdeckel im Spiel war ...

Das war auf der ISH 1993, abends beim Bier im Hotel. Wir sprachen über die sachliche Industrieform unserer Lufterhitzer. Heinrich Kampmann schlug vor, die Lufterhitzer als Ei zu bau - en, um sie in anspruchsvollen Räumen als optisches Highlight montieren zu können. Als nüchterner Techniker fiel mir nichts dazu ein. Ich stellte mir jedoch so ein Ei unter der Decke in einem Verkaufsraum vor – es wäre so groß, dass man sich den Kopf daran stoßen könnte. So kam mir eine Idee: Ich nahm einen Bierdeckel und skizzierte ein sechseckiges Gerät mit sehr geringem Abstand zur Decke, Luftansaug von oben, Ausblas leicht schräg in dem Raum. Heinrich Kampmann fand die Idee super und beauftragte sofort den Konstruktionsleiter, so ein Gerät in sechs Wochen zu bauen. Und so wurde der Ultra geboren und noch im gleichen Jahr auf einer Messe präsentiert. Leider gibt es den Bierdeckel nicht mehr ...

Die Idee des sechseckigen Lufterhitzers wurde vom Wettbewerb übernommen. Ärgert Sie das?

Konfuzius sagte einmal: „Wer große Meister kopiert, erweist Ihnen die Ehre.“ Auf diese Ehre hätten wir natürlich gerne verzichtet. Zwei Marktbegleiter hatten etwa 10 Jahre später den Ultra 1:1 nachgebaut und warben damit, dass die kreativen Ingenieure ein völlig neues Gerät entwickelt hätten. Leider ist der Lohn dafür bei uns nie angekommen. Ein effizienter Trost war allerdings, dass wir zu dem Zeitpunkt mit einem überar - beiteten Ultra technisch und optisch dem Wettbewerb wieder einen großen Schritt voraus waren.